Wer lange an einem Text sitzt, sieht bald nicht mehr, was darin steht. Ein Tippfehler, ein zu langer Satz, ein Gedanke, der im Kopf klar ist, aber auf dem Papier nicht: Alles bleibt unbemerkt. Ein zweites Paar Augen findet solche Stellen in Minuten. Das gilt für Berichte, Nachrichten und kurze Anleitungen ebenso wie für längere Texte. Trotzdem fällt es vielen schwer, jemanden darum zu bitten. Mit etwas Rücksicht und einer klaren Bitte wird es für beide einfach und angenehm.
Klar bitten, dankbar annehmen
Wähle mit Bedacht, wen du fragst. Frage jemanden, der den Text versteht und Zeit hat. Vermeide es, jemanden in einem hektischen Moment zu überfallen. Ein kurzes Wort vorab, etwa ob es diese Woche passt, zeigt Respekt vor der Zeit der anderen Person. Manche Kolleginnen und Kollegen freuen sich sogar über das Vertrauen, das damit verbunden ist, und lesen gern mit. Achte darauf, dass du nicht immer dieselbe Person bittest, damit die Last verteilt bleibt.
Sage genau, was du dir wünschst. Geht es nur um Tippfehler, oder auch um Verständlichkeit und Ton? Soll die Person Änderungen direkt eintragen, oder lieber Anmerkungen am Rand machen? Wer klar sagt, was gebraucht wird, bekommt eine passende Rückmeldung und erspart der anderen Person Rätselraten. Gib auch an, bis wann du den Text brauchst, und sei dabei grosszügig mit der Zeit.
Mache es der anderen Person leicht. Gib den Text sauber und lesbar, ohne dass sie ihn erst sortieren muss. Erkläre in ein bis zwei Sätzen, worum es geht und wer ihn lesen wird. Das hilft, den richtigen Blickwinkel zu finden. Plane genug Zeit ein, damit niemand unter Druck gerät. Ein Text, der in Ruhe gelesen wird, verbessert sich viel stärker.
Nimm die Rückmeldung freundlich an. Nicht jede Anmerkung musst du übernehmen, aber höre zu, bevor du entscheidest. Bedanke dich ausdrücklich, und lass die Person wissen, was du verbessert hast. Später kannst du dich revanchieren und selbst einen Text durchlesen. So entsteht im Team eine Gewohnheit, sich gegenseitig zu unterstützen, und jeder Text wird ein wenig besser. Und wenn einmal keine Zeit da ist, ist ein freundliches Nein völlig in Ordnung.